Zur Geschichte der Rāmānuja-Schule

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Das Projekt soll die Wechselbeziehungen des Viśiṣṭādvaita-Vedānta zur Tradition des Advaita-Vedānta und zur Tradition des Pāñcarātra untersuchen. Beide Traditionen stellen wichtige Faktoren für die Entwicklung religiöser und philosophischer Begriffe des Viśiṣṭādvaita-Vedānta dar. Die Untersuchung ihrer Einflüsse kann einen Beitrag zur Geistesgeschichte der von Rāmānuja ausgehenden Schule leisten, die in Form der Śrīvaiṣṇava-Tradition (Vaṭakalai, Tenkalai) bis heute lebendig ist und das religiöse Leben Südindiens entscheidend prägt.

Die von Śaṅkara ausgehende Tradition des Advaita-Vedānta beeinflußt die Entwicklung des Viśiṣṭādvaita-Vedānta insofern wesentlich, als sie in philosophischen Fragen ein Hauptgegner des Viśiṣṭādvaita-Vedānta ist und in der Auseinandersetzung mit dieser Tradition wichtige Grundlehren und Grundbegriffe entwickelt werden.

Das Pāñcarātra seinerseits stellt das religiöse Umfeld vieler Vertreter des Viśiṣṭādvaita-Vedānta dar. Ihre religiöse Weltanschauung und Praxis und wohl auch ihre sozial-kulturelle Umwelt wurde von dieser Tradition wesentlich bestimmt. Deshalb können die theologisch-philosophischen Anschauungen des Viśiṣṭādvaita-Vedānta in ihrer historischen Entwicklung nicht ohne die Erforschung des Einflusses des Pāñcarātra erklärt und verstanden werden.

Im Rahmen des Pāñcarātra soll die Pārameśvarasaṃhitā untersucht werden, die im Süden Indiens entstanden ist. In Bezug auf den Viśiṣṭādvaita-Vedānta ist diese Saṃhitā besonders interessant, weil sie dem Raṅganāthasvamī-Tempel in Śrīraṅgam, dem Zentrum der heutigen Śrīvaiṣṇavas, zugehört. In diesem Tempel waren berühmte Vertreter des Viśiṣṭādvaita-Vedānta wie Nāthamuni, Yāmuna, Rāmānuja, Parāśara Bhaṭṭa, Veṅkaṭanātha und Piḷḷai Lokācārya als Ācāryas tätig, und bis heute wird dort die Verehrung des Gottes nach der Vorschrift der Pārameśvarasaṃhitā durchgeführt. In Bezug auf das Pāñcarātra ist diese Saṃhitā von Interesse, weil sie im Vergleich zu den ältesten Texten, die z.T. schon wissenschaftlich erschlossen wurden (Ahirbudhnya-, Jayākhyasaṃhitā), einen nächsten Entwicklungsschritt dieser Tradition darstellt, der sich nach bisheriger Erkenntnis im Süden Indiens vollzogen hat. Ziel der für drei Jahre geplanten Untersuchung ist eine umfassende und systematische Darstellung der philosophischen, theologischen und kosmologischen Lehren der Pārameśvarasaṃhitā und die Darlegung des Verhältnisses dieses Werkes zu den inhaltlich und historisch vorausgehenden Saṃhitās.

Zur Untersuchung der Polemiken gegen den Advaita-Vedānta werden die folgenden Texte herangezogen: Rāmānujas Śrībhāṣya, Sudarśanasūris Śrutaprakāśikā, Varadagurus Prameyamālā, Nārāyaṇāryas Nītimālā, Meghanādārisūris Nayadyumaṇi sowie Veṅkaṭanāthas Śatadūṣaṇī. Die für die genannte Thematik relevanten Textpassagen sollen gesammelt und zunächst in Übersetzung und Analyse zugänglich gemacht werden und anschließend historisch-philologisch in Hinblick auf die Entwicklung der philosophischen Gedanken ausgewertet werden. Der Vergleich der kritisierten Lehren des Advaita-Vedānta mit der Polemik des Viśiṣṭādvaita-Vedānta soll zu einem Verständnis der eigenen Lehren des Viśiṣṭādvaita-Vedānta verhelfen.

Publikationen

Marion Rastelli, 2006
Die Tradition des Pañcaratra im Spiegel der Paramesvarasamhita. (BKGA 51.) Wien: VÖAW, 2006 (order online).
Rastelli 2006.jpg
  • Marion Rastelli, "Der Tempel als Mythisierung der Transzendenz." In: Gerhard Oberhammer, Marcus Schmücker, ed., 2003. Mythisierung der Transzendenz als Entwurf ihrer Erfahrung: Arbeitsdokumentation eines Symposiums. (BKGA 41.) Wien: VÖAW, 2003, 313–348.
  • Marion Rastelli, "The āsana according to the Pārameśvarasaṃhitā or A Method of Writing a Saṃhitā." In: Gerhard Oberhammer, Marion Rastelli, ed., 2002. Studies in Hinduism III: Pancaratra and Visistadvaitavedanta. (BKGA 40.) Wien: VÖAW, 2002, 9-32.
  • Marcus Schmücker, "Debates about the Object of Perception in the Traditions of Advaita and Viśiṣṭādvaita Vedānta." In: Mīmāṃsā and Vedānta. Interaction and Continuity. Papers of the 12th World Sanskrit Conference. Vol.10.3, ed. Johannes Bronkhorst. Delhi: Motilal Banarsidass Publishers 2006, 93–114.
  • Marcus Schmücker, "What is the object of perception according to Mandana Misra?” In: 2nd International Conference on Indian Studies. Proceedings (Cracow Indological Studies 4–5), ed. Renata Czekalska, Halina Marlewicz. Kraków: Institute of Oriental Philology, Jagiellonian University, 2003, 491–505.
  • Marcus Schmücker, "Differenz oder Identität? Zur Problematik endgültiger Erfahrung und Sprache des Absoluten in den philosophischen Traditionen des Vedānta." In: Die Sprachen der Religion (Schriften der Österreichischen Gesellschaft für Religionsphilosophie 4), ed. Florian Uhl und Artur R. Boelderl. Berlin: Parerga 2003, 91–112.
  • Marcus Schmücker, "Zur Kontroverse um die Erkennbarkeit des Unterschiedes im Advaita- und im Viśiṣṭādvaita-Vedānta". In: Gerhard Oberhammer, Marion Rastelli, ed., 2002. Studies in Hinduism III: Pancaratra and Visistadvaitavedanta. (BKGA 40.) Wien: VÖAW, 2002, 131–152.

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