Medienkultur der Edo-Zeit

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Projektdaten

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Hand in Hand mit der Perfektionierung der ursprünglich aus China übernommenen Technik des Holzblockdrucks seit etwa 1700 erlebt das japanische Druck- und Verlagswesen seit dieser Zeit ein bis dahin unerhörtes Maß an Verbreitung wie Kommerzialisierung. Es entstehen vielfältige Medien, die dank ihres nahtlosen Übergangs von gedrucktem Wort und Bild auch für die weniger gebildeten Schichten zunehmend attraktiv sind und vielfältige Bedürfnisse befriedigen. Das Projekt soll die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen dieser Vorstufe einer modernen „Informationsgesellschaft“ untersuchen.

Naturwissenschaftliche Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit

Engelbert Kaempfer (1651–1716), Carl Peter Thunberg (1743–1828) und Philipp Franz von Siebold (1796–1866) sind heute weltbekannt für ihren Beitrag zur Kenntnis der japanischen Flora. Wesentlich weniger bekannt ist die jedoch durch zahlreiche Bestände in europäischen Museen und Herbarien belegte Tatsache, dass ihre Erkenntnisse nicht ohne die Unterstützung von Einheimischen möglich gewesen wäre, die Interesse am Sammeln botanischer Proben unabhängig von diesen europäischen Forschern entwickelt hatten, jedoch Kontakt zu ihnen suchten, um ihre eigenen Kenntnisse in einem internationalen Rahmen zu positionieren. Tatsächlich erlebte die Edo-Zeit (ca. 1600–1868) den Vorbehalten zum Trotz, die die Obrigkeit gegenüber den Wissen¬schaften als einem den erwünschten politischen und sozialen Status quo möglicherweise unter¬minierenden Faktor hegte, das Aufblühen eines Interesses am Sammeln von Naturalia, das zunehmend über den daraus zu ziehenden rein wirtschaftlichen Nutzen hinausging und zum Teil in dem Versuch einer taxonomischen Erfassung der Natur resultierte, der dem, wie er in Europa mit dem Zeitalter der Aufklärung eingesetzt hatte, vergleichbar ist. Für Europa haben Wissenschaftler wie Paula Findlen nachgewiesen, wie wichtig das Sammeln von Natur und ihre Zurschaustellung im adeligen Kontext waren, indem sie die Rolle ihres Besitzers als Fürsten und „Herren“ über die Natur verherrlichten, bevor diese Sammlungen den Grundstock für Forschungsinstitutionen zu bilden begannen. In Japan fungierten Feudalherren zwar auch als Sammler und Mäzene, die etwa botanische Gärten oder Schulen unterhielten, die Naturwissenschaftlern einen Unterhalt sicherten. Gleichzeitig gründeten aber auch Bürger Wissenschaftszirkel, die ihre „Fundstücke“ bei unregelmäßig statt findenden Ausstellungen einem bürgerlichen Publikum vorstellten, und prominenter als dauerhafte „gegenständliche“ Sammlungen scheint die Publikation entsprechender illustrierter Holzblockdruckbücher gewesen zu sein. Langfristig soll das Projekt in einer Monographie resultieren, die diesen japanischen „Sonderweg“ zu den Naturwissenschaften beleuchtet.

Veröffentlichungen

  • Susanne FORMANEK, Sepp LINHART (ed.), 2005
    Written Texts – Visual Texts. Woodblock-printed Media in Early Modern Japan. Amsterdam: Hotei Publishing.
  • Susanne FORMANEK, Sepp LINHART (ed.), 1995
    Buch und Bild als gesellschaftliche Kommunikationsmittel in Japan einst und jetzt. Wien: Literas.

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Öster­reichi­sche Aka­demie der Wissen­schaften
Institut für Kultur- und Geistes­geschichte Asiens
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