Die „böse Alte“ in der japanischen Populärkultur der Edo-Zeit

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Susanne Formanek, 2005
Die „böse Alte“ in der japanischen Populärkultur der Edo-Zeit: Die Feindvalenz und ihr soziales Umfeld. (BKGA 47.) Wien: VÖAW, 2005 (download [open access] or order online). (568 S.)
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Seit der Mitte des 18. Jh.s ist die städtische Bürgerschicht Japans Trägerin einer stark kommerzialisierten Populärkultur, zu der die vielfach verschränkten Genres des Kabuki-Theaters, der Farbholzschnitte (ukiyoe) und der reich illustrierten Romanheftchen (kusazōshi) zählen. Untersuchungen zu den Inhalten dieser teils weltberühmten kulturellen Produktion bleiben jedoch zumal in westlichen Sprachen eine Seltenheit. Dabei bildet sie, wie Trivialliteratur allgemein, ein weites Feld mentalitätsgeschichtlicher Interpretation, indem sie den Rezipienten, wenn auch fantastisch-überhöhte, Projektionsflächen für real bestehende Wünsche und Ängste anbietet. Die durch 56 Farb- und 109 Schwarzweißabbildungen unterstützte Analyse der in vielen dieser Werke anzutreffenden Feindvalenz der „bösen alten Frau“ zeigt auf, dass das weibliche Alter offenbar erhebliche Ängste auslöste, den heute vorherrschenden Bildern eines für Japan typischen lächelnden, von der Familie warm umsorgten Alters, zum Trotz. Im Zuge einer erheblichen Alterung der Gesellschaft war Alter in der späteren Edo-Zeit (ca. 1750-1868) zu einem sozialen Problem geworden, das bewusst aufgrund demographischer und anderer Faktoren vor allem an der alten Mutter wahrgenommen wurde.


From the middle of the 18th century, the urban commoner population in Japan supported a strongly commercialized popular culture, including such diverse, but nonetheless interrelated genres as the kabuki theatre, the multi-coloured woodblock prints (ukiyoe) and the richly illustrated popular novels called kusazōshi. Although these genres enjoy world-wide fame for their aesthetic qualities, to date their contents have rarely been studied in detail. Since they can be shown to have offered their consumers foils onto which they could project their real hopes and fears, they offer an interesting field for socio-historic research and interpretation. Supplemented by 56 colour and 109 black-and-white illustrations, the analysis of the figures of wicked crones that appear in many of these works shows that female old age obviously inspired substantial fear in contemporaries, belying our common view of Japan as a country where old age is unconditionally a serene state spent within the warmth of a caring family. During the later part of the Edo period (ca. 1750-1868), a considerable ageing of the population had taken place, in the course of which old age increasingly became a social problem.

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