Vortrag

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Stefan Köck

„Der Ursprung der häretischen Lehren“?
Bemerkungen zu einem alternativen Verständnis des Tachikawa-ryū

Datum: Di., 23. Juni 2015, 17:30
Ort: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens, Bibliothek
Apostelgasse 23, Stiege 3, 1. Stock, 1030 Wien
Organisation: Bernhard Scheid

Thema

Auf den ersten Blick erscheint es nicht verwunderlich, dass der Tachikawa-Zweig (Tachikawa-ryū) des Shingon Buddhismus, einer in Japan tradierten Form des Vajrayāna, in wissenschaftlichen Studien wie auch in populärwissenschaftlicher Literatur üblicherweise als jakyō, Häresie oder Heterodoxie, bezeichnet wird. Bereits der Mönch Ninkan (fl. 1101–1129), der als Begründer des Tachikawa-Zweiges gilt, war diskreditiert, da er an einem missglückten Staatsstreich beteiligt und 1113 verbannt worden war. Die Doktrin des Tachikawa-ryū galt als notorisch für die Thematisierung von Sexualität im Zusammenhang mit der Lehre vom Erlangen der Buddhawerdung in der gegenwärtigen Existenz, und ein Schädelritus wurde als exemplarisch für dessen Ritualpraxis verstanden. Derartige Riten haben Gelehrte mehrfach veranlasst, Parallelen zu vergleichbaren Erscheinungen im tantrischen Buddhismus Indiens und der Himalaya Region zu ziehen.

Neuere Forschungen legen jedoch nahe, dass dieses Verständnis in vielerlei Hinsicht infrage zu stellen und zu revidieren sein könnte. So verstellt etwa die nicht hinterfragte Verwendung des Begriffs jakyō als Klassifizierung des Tachikawa-ryū den Blick auf eine umfassendere Verbreitung der diesem Zweig zugeschriebenen Merkmale. Eine Neubewertung von Quellen, die bisher als verbindliche Darstellungen des Tachikawa-ryū angesehen wurden, aber auch das Heranziehen bislang wenig berücksichtigter Dokumente von Vertretern dieses Zweiges erlauben eine neue Sicht auf den Tachikawa-ryū an sich und die Provenienz der darin beschriebenen Erscheinungen. Vor dem Hintergrund aktueller Forschungsergebnisse soll daher in diesem Vortrag ein alternatives Verständnis des Tachikawa-ryū skizziert werden, wobei auch politische und gesellschaftliche Aspekte Berücksichtigung finden, die als Einflussfaktoren auf den Themenkomplex anzusehen sind.

Vortragender

Stefan Köck

Dr. Stefan Köck ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte Japans der Ruhr-Universität Bochum, wo er ein Projekt zur Rekonstruktion der Bestände des ehemaligen Japan Instituts Berlin betreut. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen der esoterische Buddhismus sowie Religion und Gesellschaft im japanischen Mittelalter und der frühen Neuzeit. Schon in seiner Dissertation zur frühmittelalterlichen Shingon-Schrift Juhō-yōjin-shū (Sammlung von der Wachsamkeit beim Empfangen buddhistischer Lehren) setzte er sich mit dem Konzept von Häresie (jakyō) im Kontext des esoterischen Buddhismus auseinander. Seit 2006 wirkt er als Mitherausgeber des renommierten Bochumer Jahrbuchs zur Ostasienforschung. Vor kurzem ist der von ihm coedierte Band Discources of Purity in Transcultural Perspective (300–1600) erschienen.


Illustration: Onmyō jōkei zu, eine Darstellung der Entstehung von Yin und Yang mit deutlichem sexuellen Symbolismus, wie er üblicherweise mit Tachikawa-ryū assoziiert wird. Die Illustration entstammt dem Sangai isshin ki, einem eklektischen Text aus der frühen Edo-Zeit (17. Jh.).

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