Vortrag

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Max Deeg (Cardiff)

Interpretatio Sinica oder
Representatio Sinica

Xuanzangs Indien: Beschreibung oder Idealisierung?

Datum: Mi., 28. Mai 2014, 17:30 (s.t.)
Ort: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens,
Seminarraum 1
Apostelgasse 23, 1030 Wien
Organisation: Vincent Eltschinger, Bernhard Scheid

Thema

Der „Bericht über die Westlichen Regionen“ (Xiyu-ji) des Indienreisenden Xuanzang hat seit seiner Abfassung vor fast eineinhalb Jahrtausenden und seiner Rezeption in der westlichen Forschung seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten das Bild von Indien, vor allem des buddhistischen Indiens, in Ostasien wie im Westen geprägt. Während jedoch im traditionellen ostasiatischen Kontext kein Zweifel an der idealisierten Wahrnehmung des Subkontinents bestanden hat oder besteht, war der Anspruch der westlichen Gelehrten von Anfang an auf den hohen dokumentarischen Wert von Xuanzangs Bericht fokussiert. Kein Buch über die Geschichte Indiens im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung kommt ohne zumindest einen Verweis auf diese Quelle aus. Was bisher in der Forschung weniger berücksichtigt wurde, ist die Frage, inwieweit der so sehr betonte dokumentarische und deskriptive Wert des Textes einer kritischen Prüfung standhält. Als allgemeiner "Testfall" bietet sich hier die erste Hälfte des zweiten Kapitels des Xiyu-ji an, in der Xuanzang eine allgemeine Beschreibung Indiens nach thematischen Bereichen aus Verwaltung, Wissenskultur, Recht, etc. gibt. Der Vortrag will an ausgewählten Beispielen (Militärwesen, Recht, Sitte) aufzeigen, wie Xuanzang vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Situation der frühen Tang Zeit, der Regierungsperiode des Kaisers Taizong, ein Indien konstruiert, das keineswegs „reale“ Verhältnisse wiedergibt, sondern mit teilweise pädagogischer Intention ein idealisiertes Gemeinwesen projiziert (representatio), das gleichwohl die ostasiatische Indienwahrnehmung über mehr als ein Jahrtausend geprägt hat.

Vortragender

Max Deeg

Max Deeg ist Professor für Buddhismuskunde an der Universität Cardiff. Sein besonderes Interesse gilt buddhistischen Narrativen und ihrer Rolle in der Konstruktion historischer Identitäten von buddhistischen Gemeinden. Darüber hinaus beschäftigt er sich auch mit anderen asiatischen Religionen wie Hinduismus, Jainismus, Daoismus, Manichäismus und dem ostasiatischen Christentum. Neben zahlreichen Büchern (u.a. einer Übersetzung des Lotos Sutras ins Deutsche, 2007) hat Deeg auch einen Band zu Form und Funktion eines religösen Kanons in der Reihe BKGA herausgegeben (Deeg e.a., 2011). Derzeit arbeitet er an einer annotierten Neuübersetzung des Xiyu-ji, des „Berichts über die Westlichen Regionen“, ins Englische.

Das Bild am Seitenanfang zeigt den Pilgermönch Xuanzang (603-664) in einer japanischen Darstellung aus der Kamakura Zeit (14. Jh.). Bild © Nationalmuseum Tokyo.

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