Die buddhistische Lehre von der Sonderung (apoha) im Śivaismus

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Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Geschichte der indischen Philosophie, genauer zum Verständnis der fruchtbaren Wechselbeziehungen zwischen śivaitischen und buddhistischen philosophischen Systemen des indischen Mittelalters. Der Fokus liegt dabei auf der Aneignung und Umformung einer von Dignāga und Dharmakīrti (5.-6. Jh.?) entwickelten und für die buddhistische erkenntnistheoretische Tradition wesentlichen Lehre, nämlich der von der „Sonderung“ (apoha), durch den śivaitischen Nondualisten Utpaladeva (10. Jh.) und seinen Kommentator Abhinavagupta (11. Jh.). Die Basis der Untersuchung wird die kritische Edition einer Reihe von Kommentaren zu einem wichtigen Kapitel (1.6) der Īśvarapratyabhijñākārikā-s von Utpaladeva bilden. Die Untersuchung wird zeigen, wie sich die Vertreter der śivaitischen Pratyabhijñā-Schule diese buddhistische Lehre angeeignet und ihr sogar eine zentrale Rolle in ihrem philosophischen System zugewiesen haben, jedoch nicht ohne ihre Bedeutung stark zu verfälschen, um sie ihren eigenen metaphysischen Grundsätzen anzupassen. Die apoha-Lehre wurde von den buddhistischen Philosophen ursprünglich entwickelt, um zwei Lehren zu verteidigen, nämlich die nominalistische Vorstellung, daß sich Begriffe nicht auf reale Universalien (sondern nur auf mentale Konstrukte) beziehen, und, damit einhergehend, die Lehre, daß es keine bleibenden Substanzen wie ein Selbst (ātman) oder Gott (īśvara) gibt, sondern nur augenblickliche Ereignisse. Paradoxerweise wurde die apoha-Lehre von den Śivaiten verwendet, um die Existenz von Śiva zu beweisen, den sie als allumfassendes Bewußtsein sahen, das sowohl universales Selbst als auch Schöpfer der Welt ist. Als sie sich diese buddhistische Lehre der Sonderung – die wohl eine der einflußreichsten philosophischen Lehren ist, die jemals in Indien entwickelt wurden – auf diese Weise aneigneten und umformten, beschränkten sich Utpaladeva und Abhinavagupta nicht nur auf die erkenntnistheoretischen Probleme des apoha, die in den meisten buddhistischen und brahmanischen Quellen behandelt wurden, sondern untersuchten auch seine ontologischen, soteriologischen und sogar ästhetischen Aspekte. Das Hauptziel des Projektes ist es, durch die Untersuchung der (sowohl buddhistischen als auch brahmanischen) Quellen Utpaladevas zur indischen Kontroverse über das Wesen der Begriffsbildung und durch das Erstellen von kritischen Editionen und kommentierten englischen Übersetzungen einiger Schlüsseltexte zu diesem Thema ein besseres Verständnis der Pratyabhijñā-Philosophie (welche unter den śivaitischen philosophischen Systemen jene ist, die am gründlichsten ausgearbeitet ist) zu ermöglichen, indem gezeigt wird, wie Utpaladeva sich diese wichtige Lehre seiner buddhistischen Gegner angeeignet und umgearbeitet hat. Darüber hinaus soll durch die Untersuchung von verschiedenen späteren buddhistischen Interpretationen von Dharmakīrtis Lehre von der Sonderung (vor allem der Interpretation Śaṅkaranandanas), die in den śivaitischen Werken erwähnt und kritisiert werden, auch die Geschichte der apoha-Lehre innerhalb der buddhistischen Traditionen erhellt werden.

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